Wie können wir Kinder in einer digitalen Welt schützen, ohne die Chancen neuer Technologien aus dem Blick zu verlieren? Mit dieser Frage beschäftigte sich Bestsellerautorin und Bildungsexpertin Silke Müller am 16. September bei einem Vortrag am Nikolaus-von-Weis-Gymnasium in Speyer. Die Aula war voll besetzt. Im Anschluss entwickelte sich eine rege Diskussion über die Verantwortung von Eltern, Schule und Gesellschaft.
Soziale Netzwerke, Gruppenchats und Künstliche Intelligenz gehören für viele Kinder und Jugendliche längst zum Alltag. Was sie dort erleben, bleibt Erwachsenen jedoch häufig verborgen. Welche Risiken damit verbunden sind und warum es gerade jetzt auf menschliche Nähe, Haltung und Verantwortung ankommt, machte Silke Müller bei ihrem Vortrag am Nikolaus-von-Weis-Gymnasium deutlich.
Der Schulleiter begrüßte die zahlreichen Besucher in der voll besetzten Aula. Das große Interesse zeigte bereits zu Beginn, wie sehr Eltern und Schule die Frage beschäftigt, wie Kinder in einer zunehmend digitalisierten Welt sicher und selbstbestimmt aufwachsen können.
Müller, SPIEGEL-Bestsellerautorin, ehemalige Schulleiterin und Erste Niedersächsische Digitalbotschafterin, berichtete aus ihrer langjährigen schulischen Praxis. Sie sprach über Cybermobbing, sexuelle Belästigung und die gezielte Kontaktaufnahme Erwachsener zu Minderjährigen im Netz, das sogenannte Cybergrooming. Auch die rasante Entwicklung Künstlicher Intelligenz und die Möglichkeit, täuschend echte Bilder, Videos und Stimmen zu erzeugen, waren Thema.
Dabei richtete sie den Blick immer wieder auf eine Frage, die über technische Schutzmaßnahmen hinausgeht: Was brauchen Kinder von uns Erwachsenen, um in dieser Welt ihren eigenen Weg zu finden?
Müller warb dafür, Kindern aufmerksam zuzuhören, ihre Sorgen ernst zu nehmen und sich selbst mit ihren digitalen Lebenswelten auseinanderzusetzen. Verbote allein könnten Gespräche, Vertrauen und verlässliche Beziehungen nicht ersetzen. Zugleich müssten Kinder lernen, Inhalte kritisch zu hinterfragen, Gefahren zu erkennen und sich Hilfe zu holen. Auch Plattformbetreiber und staatliche Stellen trügen Verantwortung für einen wirksamen Kinder- und Jugendschutz.
Unter dem Leitgedanken „Superkraft Menschsein“ erinnerte Müller daran, dass Empathie, Gewissen, Zivilcourage und die Fähigkeit, füreinander da zu sein, in einer von Algorithmen und Künstlicher Intelligenz geprägten Welt an Bedeutung gewinnen. Kinder bräuchten Erwachsene, die ihnen Orientierung geben und selbst Vorbilder sind: Menschen, die das Smartphone auch einmal beiseitelegen, bei Problemen ansprechbar bleiben und zeigen, wie man miteinander streitet, sich entschuldigt und wieder zueinanderfindet.
Auch die Schulen seien gefordert, Medien- und KI-Bildung fest im Alltag zu verankern und zugleich Räume für echte Begegnungen zu schaffen. Kinder sollten digitale Werkzeuge kompetent nutzen können, ohne das eigenständige Denken und den unmittelbaren Kontakt zu anderen Menschen zu verlernen.
Wie groß der Gesprächsbedarf ist, zeigte sich zum Abschluss des Vortrags. Zahlreiche Fragen und Wortmeldungen führten zu einer regen Diskussion über den richtigen Zeitpunkt für das erste Smartphone, den Umgang mit sozialen Netzwerken und die Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule.
Der Abend in Speyer machte deutlich, dass die Begleitung von Kindern in der digitalen Welt viele Erwachsene bewegt. Müllers zentrale Botschaft: Bei allem technologischen Fortschritt kommt es darauf an, was wir Menschen füreinander tun. Darin liegt unsere „Superkraft Menschsein“.


