Impressionen einer Lateiner-Exkursion nach Xanten

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Ende Juni 2022 machten sich die 28 Lateinschülerinnen und Lateinschüler der 8. Klassen auf den Weg nach Xanten, um am Niederrhein den dortigen Archäologischen Park zu besuchen.
Bei dieser viertägigen Exkursion auf den Spuren der römischen Bewohner der antiken Colonia Ulpia Traiana und des dortigen Legionslagers nutzten wir für die mehrstündige Bahnfahrt das 9-Euro-Ticket, das bekanntlich ohne Vergnügungszuschlag spannende Momente mit im Plan nicht angekündigten Bahnsteigen, pfeilschnellen Zugwechseln und verspäteten Zügen mit schmusevollen Abteilen zu bieten hat.
Während sich die originelle und platzsparende Gestaltung der Gepäckablagefächer als bemerkenswert sinnfreie Konstruktionsidee erwies, war die Fahrt am Rhein entlang vor allem im Mittelrheintal und mit dem Blick auf Burgen und den Loreleyfelsen ein stimmungsvolles Erlebnis.
Am Zielbahnhof hieß es: Drahtesel satteln und auf Umwegen ab in die Unterkunft, einem sog. Heuhotel auf dem platten Land außerhalb von Xanten. Nach einem seltsam verzögerten Abendessen durften wir die erste Nacht in unseren selbst mitgebrachten Zelten verbringen, deren Aufbau erstaunlicherweise keine Schwierigkeiten bereitete: Zelt werfen, Erdnägel im Boden versenken und die Leinen abspannen.
Aber noch war der Tag nicht zu Ende, da nach einer weiteren Fahrradfahrt in Xanten der Nachtwächter auf uns wartete und uns bei melodisch-klassischer Zeitansage („Hört, ihr Leut‘, und lasst euch sagen…“) eine Führung durchs dämmrige Städtchen mit mancherlei interessanten Erklärungen zu Sinnsprüchen („im Stich lassen“) und den örtlichen Besonderheiten (z.B. ein Xantener Domherr, der sich in allen möglichen Bildwerken selbst darstellen ließ, oder die Xantener Domherren als der älteste Kegelverein Deutschlands) bot.
Nach einer kurzen Nachtruhe (deren Länge sich in den nächsten Nächten eher verkürzte als verlängerte…) gelangten wir wieder per Veloziped und weitgehend unfallfrei aufs Gelände des Archäologischen Parks Xanten, einem weitläufigen Areal im Umfang der ehemaligen römischen Colonia. Dort erfuhren wir bei einer Führung das eine oder andere bemerkenswerte Detail über das antike Leben vor Ort: Ob Gladiatoren- und Tierkämpfe im Amphitheater, die raffinierte Abwasserentsorgung und die weitläufige Frischwasserversorgung per Aquädukt, die fachmännische Gestaltung eines Kühlkellers und die Wohnsituation in einer städtischen domus, die schützende Funktion der Stadtmauer mit den wehrhaften Türmen und Toren, Alltagsgegenstände vormaliger Bewohner und römische Kinderspiele, aber auch ein modernes Freizeitgelände mit Spielgeräten und ein gruppenspezifischer Forschungsauftrag boten Zeit und Gelegenheit Neues zu lernen und das Gemeinschaftsgefühl zu stärken.
Ebenso informationsgefüllt ging es dann nach der Mittagspause im Museum zu: Legionärsausrüstung, ein Grabdenkmal und die dortigen Thermen wurden bei einer Führung fachkundig erklärt. Mehr handlungsorientiert war dann das Programm im AdventurePark an der Xantener Nordsee: Wie baut man als Gruppe mit Hilfe von vier Plastikfässern, zwei Balken und einigen Seilen ein hochseetüchtiges Floß? Tatsächlich gelang es allen Gruppen, ein …mmmh… nicht dem Untergang geweihtes floßähnliches Schwimmgerät zu entwerfen und herzustellen. Tatsächlich war der abschließende Sprung ins Wasser nicht der Schwimmuntauglichkeit der Flöße, sondern vielmehr dem Drang, sich im Wasser abzukühlen, geschuldet.
Nach dieser Aktion hatten wir uns unsere Nachtruhe verdient, die erstmals im Heulager stattfinden konnte und die uns genug Erholung gewährte, um am nächsten Tag zu einer spielerischen Stadterkundung mit Hilfe einer App fit zu sein.
Eine kurze Eisgenusspause und der Gang in den Dom St. Viktor rundeten unsere positiven Eindrücke von Xanten ab, bevor es nochmals zu einer Führung aufs Römergelände ging - diesmal in einer Sonderausstellung mit dem Titel „Roms fließende Grenzen“, die neben der Besichtigung eines nachgebauten römischen Fracht- und Patrouillenboots Informationen zur Frage der Grenzsicherung des römischen Reichs vermittelte.
Nach so viel geistiger Nahrung ging’s bei strahlendem Sonnenschein wieder in die Xantener Nordsee: Das dortige Strandbad gab die Möglichkeit zu ausgiebiger Bewegung im Wasser oder zur Ruhezeit auf der Wiese.
Der Abend fand seinen vorläufigen Ausklang bei stimmungsvoller Musik (teilweise selbstfabriziert…) am Lagerfeuer, bevor es im Heulager kommunikativ weiterging und der Morgen der Abfahrt viel zu schnell näher rückte…
Nach einer mehrstündigen unterhaltsamen Rückfahrt mit der Bahn kamen wir alle mehr oder weniger wach und gesund wieder in der Heimat an.
Und unser Fazit?
Paris mag zwar eine Reise wert sein, aber Freude, Spaß und Aktion sind in Xanten zu Hause, gemäß dem Motto „Carpe diem ET noctem!“


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