Verkehrssicherheit in der Schule

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Wie ist es, betrunken Auto zu fahren? Was kann passieren, wenn ich während der Fahrt eine Sekunde lang aufs Handy schaue? Beim Verkehrssicherheitstag am Nikolaus-von-Weis-Gymnasium bekamen die Schüler der zwölften Klasse Antworten auf solche Fragen – und teils erschreckende Erkenntnisse.

Über eine kniehohe Hürde steigen, im Slalom um eine Reihe von Verkehrshütchen laufen und zum Schluss noch einen Tennisball aus einer Kiste auf dem Boden holen und auf ein Ziel werfen – für die meisten Menschen keine allzu schwere Aufgabe. Mit einer Brille, die einen Blutalkoholgehalt von 0,5 oder 0,8 Promille vortäuscht, sieht die Sache aber ganz anders aus, stellen die Zwölftklässler des Nikolaus-von-Weis-Gymnasiums fest. Schon tritt man die Querstange von der Hürde, stößt gegen die Hütchen und braucht ein paar Versuche, um nach dem Ball zu greifen.

Der Parcours von Verkehrswacht und Polizei ist eine der Stationen, die die Schüler – die Mehrzahl von ihnen Fahranfänger – am Verkehrssicherheitstag ihrer Schule durchlaufen. „Es hat so ausgesehen, als ob die Sachen weiter weg wären“, sagt Laura Kappenstein nach ihrem Durchlauf. Ihre Mitschülerin Pauline Ofer erzählt: „Beim Drübersteigen bin ich hängengeblieben, bei den Hütchen ging es dann – vielleicht habe ich aber auch ein paar ausgelassen.“

Alkohol im Simulator

Besonders gespannt sind die beiden Schülerinnen auf den Fahrsimulator des Bundes gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr (B.A.D.S.). Dort steht ein Auto vor einer Leinwand, auf die eine Straßensituation in einer Stadt projiziert wird. Durch die müssen die Schüler das Auto steuern, zuerst ganz normal, dann wird das Blickfeld auf dem Bildschirm schmaler, die Reaktionszeit länger, das Geradeausfahren schwieriger. Am Ende zeigt das Programm, wie viele Unfälle der Fahrer verursacht hat, wie oft er zu schnell war und wie viele andere Verkehrsteilnehmer er gefährdet hat. „Das war schon erschreckend“, sagt Henry Müller nach seiner Testfahrt mit simulierten 0,8 Promille Alkohol im Blut. „Ich habe gar nicht gemerkt, dass ich auf einmal 70 oder 80 fahre.“

Seit 2013 gibt es den Verkehrssicherheitstag am „Niki“; seit sechs Jahren bietet auch das Friedrich-Magnus-Schwerd-Gymnasium eine solche Aktion an. „Wenn wir einen Schüler retten können, haben wir unser Ziel schon erreicht“, sagt Jürgen Krenz-Göllinger, Obmann für Verkehrssicherheit an der Privatschule. Für die Schule gehe es bei solchen Aktionen auch darum, den Schülern lebensnahe Fähigkeiten zu vermitteln.

Dazu gehört auch: selbst Hand anlegen. Wie bei der von der Feuerwehr betriebenen Station, wo es darum geht, wie Verletzte aus Unfallautos geborgen werden. Ausgerüstet mit Feuerwehrjacke, Helm und Handschuhen darf eine Schülerin das Kombigerät aus Rettungsschere und -spreizer ausprobieren. Mit einem Krachen verbiegt sich der Kotflügel, als sie das Scharnier der Beifahrertür auftrennt. „Wir wollen den Schülern zeigen: Bis dahin könnt ihr selbst etwas machen, aber es gibt einen Punkt, wo professionelle Hilfe vonnöten ist“, sagt Wachabteilungsleiter Rolf Gieser.

14 Meter Blindflug

Auf dem Schulhof werden einige Gefahren sichtbar, die gerade junge Fahrer oft unterschätzen. Ein roter Teppichstreifen zeigt, welche Strecke ein Auto bei 50 Stundenkilometern im „Blindflug“ zurücklegt, wenn der Fahrer eine Sekunde lang aufs Handy schaut: 14 Meter. „Das ist jedes Mal eine neue Erkenntnis“, sagt Krenz-Göllinger.

Neben dem Lastwagen der Feuerwehr ist der tote Winkel markiert, den der Fahrer nicht einsehen kann. Die Schüler dürfen auch auf dem Fahrersitz Platz nehmen und selbst erleben, wie die Mitschüler aus dem Blickfeld verschwinden, wenn sie sich wie beim Warten mit dem Fahrrad oder Motorrad an der Ampel neben das Fahrzeug stellen. „Das ist noch ein kleiner Lkw, bei einem 40-Tonner sitzt man noch mal einen halben Meter höher“, sagt Gieser. „Wir hoffen, dass die Schüler danach dran denken, dass sie an der Ampel hinter dem Lkw stehen bleiben.“

Elena Bruckner

Die Rheinpfalz

Freitag, 16. Juli 2021


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